Zukunft der Traditionsfirma Karmann ist weiter ungewiss
Krise bei Karmann
(openBroadcast) - Hannover/Langenhagen, 7. Dezember 2007 –
Die Zukunft der Traditionsfirma Karmann ist weiter ungewiss. Die Entscheidung
des Autokonzerns BMW, den Auftrag für den neuen Mini-Geländewagen Colorado an
den österreichischen Zulieferer Magna zu geben, stößt auf heftige Kritik.
Sowohl die IG Metall als auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian
Wulff (CDU) kritisierten die Münchner scharf. Ob Karmann demnächst an den
Standorten Osnabrück und Rheine rund 1.700 Stellen streichen muss oder bis
Mitte 2008 einen neuen und lukrativen Auftrag bekommt, bleibt weiter unklar.
Schon im Oktober 2007 hatte Uwe Röhrig, Inhaber der Hannoveraner
Automobilberatung International Car Concept (ICC) und Ex-Vertriebschef von
Mercedes, beklagt, dass nun ein Drittel der Belegschaft für massives
Managementversagen den Kopf hinhalten müsse: "Auch wenn sich
Gewerkschaften und Politik jetzt für Karmann in die Schlacht werfen, bleibt
doch richtig, was damals festgestellt wurde. Versagt haben nicht die
Mitarbeiter, sondern das Management, die Kontrollgremien, die Betriebsräte und
die Gewerkschaftsfunktionäre. Sie werden hochbezahlt und sind ihrer
Verantwortung in keiner Weise gerecht geworden."
Es sei zu billig, jetzt BMW den Schwarzen Peter zuzuschieben. "Wenn jetzt
sowohl der Gewerkschaftssprecher als auch Herr Wulff bekräftigen, der
Betriebsrat und die IG Metall hätten große Flexibilität gezeigt, dann reicht
das eben nicht aus. Karmann ist nur ein Beispiel dafür, was in diesem Land und
insbesondere in der Automobilbranche nicht mehr richtig läuft. Wir müssen
generell über den nicht mehr finanzierbaren Produktionsstandort Deutschland
reden. Was wir dringend brauchen, ist eine klare Neuausrichtung im Lohn- und
Gehaltsgefüge. Wir brauchen weniger Lohnnebenkosten und dafür mehr
Leistungsorientierung mit Arbeitszeiten, die darauf zugeschnitten sind."
Wenn dies nicht bald geschehe, dann sei dies nicht der letzte Auftragsverlust für
die deutsche Automobilindustrie gewesen.
Es sei zu billig, immer nur über die Globalisierung zu klagen und über deren
negative Auswirkungen zu reden, aber den offenkundigen Handlungsbedarf bei uns
zu ignorieren. Röhrig plädiert für mehr lösungsorientiertes Denken.
"Dazu gehört nun mal auch der Verzicht mit den daraus resultierenden
wettbewerbsfähigen Veränderungsbausteinen. Um dieses Denken in die Tat
umzusetzen, benötigen wir aber mehr Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen."
Der ICC-Chef erinnert an ein Zitat des früheren Deutsche Bank-Chefs Alfred
Herrhausen: "Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das,
was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein."
Danach zu leben, diese Vorstellung sei für den größten Teil der deutschen
Unternehmer, Manager, Funktionäre und vor allem Politiker ein Horrorszenarium.
"Doch wenn wir so weiter machen wie bisher, verhalten wir uns
verantwortungslos. Denn wir vernichten dadurch ganz gezielt Werte. Und der
Faktor Mensch bleibt auf der Strecke. Die Mitarbeiter von Karmann können einem
leid tun, dass sie zu einem Spielball von Verantwortungsträgern geworden sind,
die ihrer Verantwortung offenkundig nicht gerecht werden können", so Röhrig.
Quelle: www.openbroadcast.de