Im Frühjahr herrscht Hochsaison auf dem Gebrauchtwagenmarkt
Tipps für den Gebrauchtwagenkauf
Bonn/Leipzig - Im Frühjahr herrscht Hochsaison auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Auf den Kauf eines „Traumwagens“ folgt aber nicht selten eine böse Überraschung.
„Jeder Gebrauchtwagen ist ein Unikat, dem man selten ansieht, ob er vom
Vorbesitzer pfleglich behandelt oder vernachlässigt wurde“, sagt Dr. Gerd
Neumann, Mitglied der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH http://www.dekra.de.
Der Experte warnt auch davor, sich beim Autokauf vom blank polierten blitzenden
Blech blenden zu lassen. „Deshalb lieber auf Nummer sicher gehen und das
Fahrzeug vor dem Kauf vom Fachmann auf Herz und Nieren prüfen lassen“, meint
Neumann.
Gebrauchtwagenzertifikate wie das DEKRA-Siegel gäben Sicherheit beim Autokauf.
Hier checke ein Sachverständiger alle Baugruppen des Fahrzeuges anhand von
strengen Qualitätsstandards durch. Das Siegel sei für beide Seiten von
Vorteil: Der Verkäufer signalisiert damit ein faires Angebot, der Käufer kann
sicher sein, dass das Fahrzeug technisch und optisch einwandfrei ist.
Ein wichtiges Sicherheitsplus sei auch eine Gebrauchtwagen-Garantie, die
heutzutage alle seriösen Händler als Zusatzleistung im Programm führen, so
die Pressestelle der DEKRA. Noch wichtiger ist dieser Schutz vor teuren
Reparaturkosten beim Privatkauf, zumal hier meist jegliche Gewährleistung
ausgeschlossen ist. Solche Garantieversicherungen könne man schnell und
unkompliziert über das Internet abschließen.
Die Laufleistung sei im übrigen für den technischen Zustand eines Fahrzeuges
weit wichtiger als das Alter. Deshalb würden die technischen Mängel der
wichtigsten Automodelle im neuen DEKRA Mängelreport 2008 nicht mehr nach Alter,
sondern nach Laufleistungsgruppen ausgewiesen. In dem Sonderheft
„Gebrauchtwagen“ von auto, motor und sport http://www.auto-motor-sport.de könnten
Autokäufer nachschlagen, die sich über typspezifische Schwachstellen ihrer
Favoriten informieren möchten.
Obwohl der heimliche Dreh am Tacho in Deutschland verboten ist, gehen die
Sachverständigen von DEKRA davon aus, dass noch immer viele Gebrauchtwagen mit
manipuliertem Kilometerstand über die Straßen rollen. Perfekten Schutz gibt es
zwar nicht, doch es empfiehlt sich, die Fahrzeugunterlagen wie Serviceheft,
Reparaturrechnungen und HU-Prüfberichte zu studieren und den Tachostand auf
Plausibilität zu prüfen, empfiehlt DEKRA. Hinweise auf die Laufleistung geben
auch Ölanhänger im Motorraum und der Zustand von Polstern und Pedalen. Stark
variierende Laufleistungen sollte der Verkäufer begründen können. Fehlen
wichtige Unterlagen wie das Serviceheft, ist große Vorsicht geboten.
Das Geschäft mit den Gebrauchten ist Vertrauenssache. Die Käufer sollten sich
zum Beispiel nicht allein auf das Internet bei der Informationsbeschaffung
verlassen, rät der Gebrauchtwagenexperte Björn Kießwetter von dem
Hannoveraner Beratungsunternehmen International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de:
„Das Internet sollte jedoch insbesondere für die Preisfindung und als
Vorinformation aktiv genutzt werden. So kann der Gebrauchtwagenkäufer in den
Preisverhandlungen besser bestehen. Allerdings ist die ‚Live-Betrachtung’
des Fahrzeuges vor Ort beim Händler gerade bei den älteren Fahrzeugen
unabdingbar, da es sich bei Gebrauchtfahrzeugen um Unikate handelt. Das Internet
kann über die Kurzbeschreibungen der Fahrzeuge nie den Zustand des Fahrzeuges
vollumfänglich wiedergeben.“
Wie beim Aktienkauf sollte man beim Kauf eines Gebrauchtwagen vorab für sich
entscheiden, ob man risikoscheu oder risikoreich sei. „Der risikoscheue Käufer
sollte ein Gebrauchtfahrzeug bei dem Händler seines Vertrauens kaufen“, so
der ICC-Experte Kießwetter. Hier könne über Anschlussgarantien und
Servicebausteine sowie „Servicevertrauen“ das Risiko einer Pleite, „auf
das falsche Fahrzeug gesetzt zu haben“, minimiert werden. Der scheinbar gegenüber
dem Privatmarkt etwas höhere Preis werde über die bessere Nachbetreuung wieder
aufgefangen. „Der risikoreiche Käufer kann auch über den Privatmarkt oder über
freie Händler sein Glück versuchen, wenn dieser auch technische Kenntnisse
mitbringt, kann er ein ‚Schnäppchen’ durchaus machen.“